​Elternkompetenzen im Arbeitsleben - welche Fähigkeiten entwickeln sich während der Elternzeit und wie bringst du sie am besten an?

​Häufig begegne ich Müttern, die recht wenig Selbstbewusstsein in Bezug auf ihre eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen haben.
Dieses Phänomen ist insgesamt sowieso bei Frauen deutlich stärker ausgeprägt als bei Männern, und bei Müttern dann nochmal mehr zu beobachten. Vor allem kurz vor und kurz nach ihrem Wiedereinstieg, wenn es darum geht, sich als Working Mum zu behaupten und die eigene Rolle, den eigenen Platz beim Arbeitgeber wieder zu finden. Das wird begünstigt, weil man sich auch mit den kinderlosen Kollegen am Arbeitsplatz und mit seinem früheren „Arbeitnehmer-Ich“ vergleicht, als man noch super flexibel war und die Berufs-Familien-Balance anders gelagert war. Ja, als Mutter ist man nicht mehr so flexibel wie früher und auch die Prioritäten haben sich verschoben. Gleichzeitig haben sich aber auch positive Dinge verändert, wie ich dir im weiteren Verlauf aufzeigen werde.

Bewusstsein darüber, dass Mütter einen wichtigen Mehrwert für den Arbeitsmarkt mitbringen

Eines der wichtigsten Dinge, die Mütter für einen gelungenen Wiedereinstieg brauchen, ist ein gesundes Selbstbewusstsein darüber, dass sie nicht nur trotz sondern gerade wegen ihrer Elternrolle einen großen Mehrwert für die Arbeitswelt mitbringen.

In diesem Artikel möchte ich ein Bewusstsein dafür schaffen, dass auch in der Elternzeit Kompetenzen ausgebildet werden, die durchaus für die eigene berufliche Tätigkeit relevant sind. Es findet eine Form der Weiterbildung statt, für die man in anderen Kontexten sehr viel Geld an Weiterbildungsinstitute bezahlen würde, das dürfen sich Mütter ruhig bewusst machen.
Gleichzeitig möchte ich hier einen Weg aufzeigen, wie man abseits von „ich manage ein erfolgreiches Familienunternehmen“ und losgelöst von Phrasen, was Mütter alles leisten (was ohne Frage wahr, aber leider für den Arbeitgeber nicht relevant ist) aufzeigen kann, welchen Mehrwert die neu erworbenen Kompetenzen am eigenen Arbeitsplatz wirklich bieten können.

Kernfragen für Mütter

Es geht also darum für sich selbst zu übersetzen:

  • ​Was habe ich gelernt, seitdem ich Mutter bin?
  • ​Wie kann ich diese Kompetenz an meinem Arbeitsplatz nutzen?
  • ​Welcher Mehrwert entsteht dadurch für meinen Arbeitgeber?

​Es wäre verschenktes Potential, diese Erkenntnisse nur für sich zu behalten.
Also zeige ich dir auch, wie du deine neu erworbenen Kompetenzen beim Arbeitgeber anbringen kannst, so dass du nicht als Vollblut-Mutti abgestempelt, sondern als Arbeitnehmerin mit wertvollen Kompetenzen ernst- und wahrgenommen wirst.

Was hast DU während deiner Elternzeit gelernt?

Persönliche Weiterentwicklung und das Erlangen von Kompetenzen ist bei jedem Menschen einzigartig. In ein und derselben Situation lernt der eine vielleicht Durchhaltevermögen und der andere auf sein Bauchgefühl zu hören. Deswegen möchte ich dir hier keine Auflistung an Kompetenzen geben, die du auf jeden Fall gelernt hast.
Viel wichtiger finde ich es, dass du selbst in dich gehst, und überlegst, was du gelernt hast. Ich möchte dir zur Hilfestellung aber gerne Kernbereiche an die Hand geben, innerhalb derer du für dich schauen kannst, was du da gelernt hast und v.a. welche konkreten Situationen und Bereiche dir einfallen.
Das finde ich auch deswegen wichtig, weil es zusätzlich von deinem Arbeitsplatz abhängig ist, wo die Schnittmenge zwischen dem ist, was du in der Elternzeit gelernt hast und was du davon berufsrelevant einsetzen kannst. Ein stumpfes Aufführen von Aufzählungspunkten würde wieder zu allgemein formulierten Phrasen führen, und genau das ist es, was Arbeitgeber nicht überzeugt. Sie wollen ein ehrliches und authentisches Statement von ihren Gegenübern bekommen - wenn sie das bekommen, ist schon viel gewonnen.

Vorgehen

Du findest nachfolgend die Kernbereiche, innerhalb derer du deine Lernkurve reflektieren kannst. Wenn du selbst noch ein Themenfeld ergänzen kannst oder möchtest, mache das gerne so wie es zu deinen Anforderungen passt.

3 Fragen...

  • 1
    ​Was genau habe ich hier gelernt?
  • 2
    ​Welches Beispiel fällt mir hierzu ein?
  • 3
    ​Wie profitieren mein Arbeitsplatz und mein Arbeitgeber davon, dass ich diese Kompetenz mitbringe? Welchen Mehrwert liefere ich dadurch und inwiefern wird meine Arbeit mit dieser Kompetenz besser?

Formuliere die Antworten auf deine Fragen zu konkret und detailliert wie möglich. Je individueller du formulierst, umso authentischer und glaubwürdiger werden deine Aussagen später sein.

Es gibt Stimmen, die raten davon ab, Elternkompetenzen in der Arbeitswelt zu nennen oder anzubringen. Ich stimme dem zu, wenn es um Themen geht, die man zwar innerhalb der Elternzeit gelernt hat, die aber für den Job einfach keine Relevanz haben. Und ich stimme auch zu, wenn es darum geht, allgemeine oberflächliche Kommentare zu geben á la ‚ich manage ein erfolgreiches Familienunternehmen‘.
Ich denke aber, dass es durchaus sehr gute Wege gibt, diese Kompetenzen auch jobrelevant zu nutzen, ich glaube sogar, dass es wichtig ist.

Es ist komisch dass wir uns davor scheuen, das, was wir in der Elternzeit gelernt haben, als berufsrelevante Kompetenz auch darzustellen.
Alle Kompetenzen die wir haben, insbesondere die überfachlichen Kompetenzen, haben sich in unterschiedlichsten Handlungsfeldern ausgebildet. Das Gesamtpaket, das man als Mitarbeiter mitbringt, hat sich nicht nur in der fachlichen Ausbildung geschnürt. Es ist, wenn man so will, das Entwicklungsprodukt unseres gesamten Lebens. Warum wollen wir uns auf einmal vor dem verstecken, was wir gerade in der Elternzeit gelernt haben, also in einer Zeit, in der unsere Lernkurve so steil wie niemals zuvor ist?
Das ganze Leben ist ein Lernfeld.
Das muss man sich erst einmal als Basis-Mindset klar machen, um auch hier wieder mit gutem Selbstbewusstsein nach Außen zu treten, was die wichtigste Voraussetzung dafür ist, auch ernst- und wahrgenommen zu werden.

Situationen, in denen wir nach der Selbsteinschätzung unserer Kompetenzen gefragt werden, können entweder klassische Mitarbeitergespräche beim derzeitigen Arbeitgeber sein, oder auch im Bewerbungsverfahren auf einen neuen Job, sei es in den Unterlagen oder im Vorstellungsgespräch.

Hilfreich ist, dabei zwei Dinge zu beachten:

​2 Tipps, um die neuen Elternkompetenzen beim Arbeitgeber oder im Vorstellungsgespräch anzubringen

1. Kommuniziere deine Kompetenzen immer individuell, relevant und konkret
Wenn es darum geht, das was du in der Elternzeit gelernt hast nach Außen zu tragen und zu kommunizieren - ob im Vorstellungsgespräch, bei der Rückkehr an deinen Arbeitsplatz oder im Mitarbeitergespräch - geht es immer darum, möglichst konkret und individuell zu sein. Ich habe oben schon erwähnt, dass Plattitüden und Phrasen oft das Gegenteil bewirken: nämlich dass man belächelt und als überambitionierte Mutter abgestempelt wird.
Daher ist es wichtig, diese Kompetenzen aufzugreifen, die du an genau deinem Arbeitsplatz einsetzen kannst (Relevanz) und sie ganz konkret zu beschreiben:
Was hast du in welchen Situationen in der Elternzeit genau gelernt und wo wirst du genau diese Kompetenz jetzt im Job anwenden können?
Welchen Mehrwert hat dein Vorgesetzter/Arbeitgeber/Gesprächspartner davon?

​2. Einwände vorweg nehmen und gegebenenfalls ein zweites Beispiel geben
Ein gutes Mittel, um sich innerhalb von Gesprächen nicht verunsichern zu lassen oder verbal in die Ecke gedrängt zu werden, ist, möglichst zu vermeiden, in den Rechtfertigungsmodus zu kommen. Es gibt ja typische Einwände und Vorbehalte in Bezug auf Elternkompetenzen am Arbeitsplatz, allen voran: das familiäre Umfeld könne man mit dem Arbeitsplatz nicht vergleichen.
Also kannst du, wenn du nach deinen Kompetenzen gefragt wirst, gleich diesen Einwand vorweg nehmen und entkräften, schon bevor dein Gegenüber ihn überhaupt nennt. Dabei kannst du das  eben erwähnte Thema anbringen: nämlich die Tatsache, dass man sich insgesamt als Mitarbeiter mit allen seinen Kompetenzen in verschiedensten Lebensbereichen entwickelt hat, und dass die Elternzeit dazu eine besonders lehrreiche Zeit darstellt. Du kannst auch gerne noch ergänzen, dass dir klar ist, dass das private Familienumfeld nicht mit dem Arbeitsumfeld gleichzusetzen ist, aber dass du es bei allem was du im Leben lernst gleichzeitig wichtig findest, zu transferieren und zu schauen, wie auch andere Lebensbereiche davon profitieren können. Wichtig dabei ist, dass du selbst davon überzeugt bist, denn so kommunizierst du mit einem guten Selbstbewusstsein und du wirst automatisch deutlich ernster genommen, als wenn man dir deine eigene Unsicherheit im Gespräch anmerkt.
Wenn du besonders kritischen Menschen gegenüber sitzt, kannst du auch einfach noch ein weiteres Beispiel nennen. Vielleicht fällt dir zu einer Kompetenz, die du gerne anbringen möchtest, noch ein zweites Beispiel aus deinem früheren Arbeitsumfeld ein - spätestens dann dürfte es keine Kritik mehr geben.


Ich hoffe, der Artikel konnte dir weiter helfen.

Hier gibt es Hilfestellung und Austausch:

Wenn du dich weiter dazu austauschen möchtest, ​komm’ in unsere Facebook-Gruppe.
Teile gerne dein Ergebnis aus der Übung oben:
​Welche Kompetenzen genau hast du während deiner Elternzeit gelernt?
Die Gruppe ist auch der beste Ort um Fragen zu stellen, denn dort wird dir nicht nur von mir, sondern auch von vielen anderen berufstätigen Müttern geholfen, die gerade in einer ähnlichen Situation sind - oder es schon waren und von ihren Erfahrungen gerne berichten.

​Weitere Unterstützung:

Wenn du anderweitige Unterstützung bei deinem Wiedereinstieg, oder auch bei einem Jobwechsel, beim Orientieren oder Bewerben brauchst, dann schreibe mir gerne eine E-Mail an johanna@mumsinbusiness.de - in einem ersten kostenlosen Gespräch kannst du mir erzählen, wobei du Unterstützung brauchst und wir können überlegen, wie ich dir helfen kann.

Du hörst lieber als dass du liest?

Hier geht es zum Mütter zurück im Job-Podcast. Wenn du die Inhalte, über die ich hier auf dem Blog schreibe, lieber hören möchtest, dann kannst du das hier machen. Die Episoden dauern zwischen 15 und 30 Minuten und sind perfekt, um sie ​während des Haushalt-machens oder beim Spaziergang zu hören.


Dir wünsche ich jetzt eine schöne Woche und bis ​Bald​,

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