Die 6 größten Fehler beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit und wie du sie vermeidest

Je länger du nicht gearbeitet hast, desto blöder ist meist das Gefühl beim Gedanken an den Wiedereinstieg.
Wenn du gleich nach dem Mutterschutz wieder anfängst zu arbeiten, hast du es sicherlich leichter, weil dir noch vieles bekannt vorkommt – und auch du selbst noch in den Köpfen von Chef und Kollegen bist.
Wenn du nach ein, zwei, drei oder mehr Jahren an den Arbeitsplatz zurück kehrst, sieht die Sache schon anders aus. Oft mischen sich Ängste mit Unsicherheit und Beklemmung. Das ist auch erst einmal total natürlich, weil uns fast jede Veränderung ein komisches Gefühl macht: Veränderung bringt Unsicherheit mit sich und wir wissen nicht genau was auf uns zu kommt. Es entsteht Angst, ein total natürlicher und evolutionär begründeter Prozess: früher ging es um Leben und Tod, wenn man das gewohnte Umfeld verlassen wollte.

Meine Beobachtung ist, dass Mütter, die gleich von Anfang an richtig gut wieder im Job ankommen, einige häufige Fehler nicht gemacht haben und sich im Gegenzug sehr proaktiv um ihren Wiedereinstieg gekümmert haben.
Genau diesen Müttern ist der Start viel leichter gefallen, so dass es sich lohnt, hinzuschauen, was du tun kannst, damit du dich mit deinem Wiedereinstieg so wohl wie möglich fühlst.

Deswegen habe ich dir die sechs häufigsten Fehler zusammen gesucht, und zeige dir, wie du sie vermeiden kannst:

1. Du hältst während deiner Elternzeit keinen Kontakt zu deinem Arbeitgeber

Wenn du wieder zu deinem alten Arbeitgeber zurück kehren möchtest, solltest du während deiner Abwesenheit unbedingt den Kontakt zu deinem Chef und zu deinen Kollegen halten. Das ist aus zwei Gründen sinnvoll: 1. Die Welt an deinem Arbeitsplatz dreht sich weiter. Aber wenn du selbst immer mal wieder an deinen Job denkst und deinem Chef und den Kollegen im Gedächtnis bleibst, wird die Schwelle des Wiedereinstiegs für dich auf jeden Fall niedriger. Das komische Gefühl, das viele Mütter an ihrem ersten Arbeitstag nach der Elternzeit haben, wird dann gar nicht so unangenehm sein. 2. Wenn du dabei proaktiv bist, vermittelst du das Gefühl, weiterhin interessiert zu sein. Damit ist die Chance, auch nach der Elternzeit an deinen alten Arbeitsplatz zurück kehren zu können viel höher. Es kann auch hilfreich sein zu kommunizieren, dass du noch immer zur Verfügung stehst, falls deine Vertretung noch einmal Nachfragen haben sollte – wenn du das leisten kannst und möchtest. Du kannst die verschiedensten Möglichkeiten nutzen, in Kontakt zu bleiben: Schreib’ hin und wieder eine E-Mail, Whats-App oder SMS. Statte regelmäßig Besuche ab und bring’ deinen Nachwuchs einfach mal mit. Wenn möglich, nimm’ an Firmenfeiern und Teamevents teil oder triff’ dich zur Mittagspause zum Essen mit deinen Kollegen oder deinem Chef.

Freust du dich?

Bevor wir loslegen ist mir wichtig zu sagen, dass ich in diesem Artikel diejenigen Frauen anspreche, die sich grundsätzlich und eigentlich freuen, wieder in den Job einzusteigen.
Wenn du diese Grundfreude nicht empfindest, dann werden dir die Punkte die ich dir unten beschreibe, vermutlich nicht wirklich helfen. Dann ist es vielleicht so, dass Job oder Arbeitgeber nicht mehr für dich passen, oder dass eure Lösung, dass du überhaupt in der geplanten Form wieder einsteigst, noch nicht ganz die richtige für dich ist. In dem Fall solltest du noch einmal einen Schritt früher ansetzen und anschauen, warum dir die Freude fehlt, denn dann gibt es erstmal andere Stellschräubchen, an denen du eher drehen kannst, um überhaupt ​diese Vorfreude zu spüren.

Für alle anderen freudig-mulmigen Mamas gehen wir hier jetzt die Punkte durch, die für das kleine Gefühlschaos verantwortlich sein können:

5 Punkte, die für das Gefühlschaos verantwortlich sein können:

​1. Angst vor der Veränderung und Ungewissheit

​Eine Hauptursache für das ungute Gefühl vor dem Jobstart nach der Elternzeit ist, Angst vor der Veränderung und damit auch vor der Ungewissheit zu haben, die der Wiedereinstieg mit sich bringt. Dabei Beklemmungen zu spüren, ist normal – vor allem wenn es die eigenen Lebensumstände betrifft.
Wir wissen im Vorfeld nicht genau was passiert und auf was sich das alles auswirkt.
Das Angstgefühl ist wie eine Schutzfunktion unseres Gehirns. Schlicht gesagt: du kannst nicht überblicken, wie es genau werden wird. Oder, was den gleichen Effekt hat wie Öl ins Feuer zu gießen, du hast von anderen berufstätigen Müttern gehört, was alles schwierig und herausfordernd ist und verbindest mit eurer bevorstehenden Veränderung negative Erwartungen.

Tipp:
Wenn du einfach Sorge vor dem hast, was dich erwartet, solltest du dich möglichst viel informieren und auf dieser Basis planen. Im Kopf und mit deiner Familie durchgehen, wie euer neuer Alltag sein wird – und zwar ziemlich detailliert. Wie wird es konkret sein? Auch, wenn das dann noch nicht die Realität ist (und es dann in Wirklichkeit doch etwas anders läuft), wird es ​ greifbarer für dich und verliert dadurch seine Bedrohlichkeit. Ganz oft ist es dann tatsächlich doch auch anders, wenn die Situation plötzlich eintritt. Aber die Angst vorher ​wird weniger und dann sucht ihr in der eigentlichen Situation ​notfalls nach neuen Lösungen, was dann sehr viel leichter fällt.

2. Mama-Sein verändert

Wir sind zwar noch die gleiche Person wie früher, aber irgendwie sind wir es auch nicht mehr. Eigene Kinder zu haben verändert einfach alles: Stresslevel, Schlafmangel, Energiehaushalt, Stellenwert des Berufs und die Frage, ob der Beruf noch der Richtige ist, eine neue Bedeutungsdimension des Jobs (Zeit ohne Kind, den Kopf auf andere Weise anstrengen). ​Auch wenn die Arbeit los geht, wieder „die Neue“ zu sein und sich erst wieder einfinden zu müssen. Die Voraussetzungen, im Job erfolgreich zu arbeiten, sich zu konzentrieren und ein Arbeitspensum zu schaffen, das hat sich verändert und muss sich erst wieder neu ​einfinden. Das alles spürst du natürlich auch schon während deiner Elternzeit beim Gedanken an den Wiedereinstieg in den Beruf.

Tipp:
Was du jetzt machen kannst: vorsorgen, indem du für dich sorgst und schon jetzt sehr gute Voraussetzungen in eurer Tagesstruktur schaffst, um gut arbeiten zu können. Dafür braucht es vielleicht auch die Unterstützung aus deinem Umfeld von deinem Partner, von Freunden oder von der Familie: wer kann welche Aufgaben übernehmen und erledigen? Am Ende des Tages geht es darum, dich auch mit dieser Veränderung wieder im Jobleben einzufinden und deinen Weg zu finden und deine Prioritäten neu auszuloten, so dass es für dich passt und stimmig ist.

​3. Die Vereinbarkeitsfrage

Wahrscheinlich ist die Kernfrage einer jeden Working Mum: Schaffe ich das? Wie soll ich allem gerecht werden? Meinem Kind (den Kindern), dem Job, meiner Partnerschaft, dem Haushalt? Es ist ja mitunter schon in der Elternzeit, wenn man noch nicht wieder arbeitet, sehr anstrengend diesen ganzen Dingen gerecht zu werden. Und dann kommt der Job on top noch dazu. Klar löst das Sorge aus, wie man das hinkriegen soll. Und: ja, es ist auch erstmal eine Belastung. Ich würde ja lügen, wenn ich sagen würde, dass alles mega easy ist.

Tipp:
Wenn du in einer Partnerschaft lebst, dann solltet ihr euch gemeinsam diesem Thema widmen und überlegen, was alles zu tun ist und wer was wann erledigen kann. Du solltest dich nicht verantwortlich fühlen, alles alleine zu machen. Ihr könnt auch überlegen, welche Tätigkeiten und Aufgaben man outsourcen kann und wo ihr fremde Hilfe in Anspruch nehmen könnt. Ich glaube, Vereinbarkeit funktioniert dann am besten, wenn alle mithelfen. Und wenn du kein Netzwerk hast auf das du zurück greifen oder das dich unterstützen kann, dann ist es trotzdem gut, einmal eine Analyse zu machen: was braucht ihr, damit es allen gut geht? Was braucht es für dich in deinen Augen, damit du deinem Job – aber auch deiner Mamarolle gerecht werden kannst?

​4. Dein Kind wird fremdbetreut

​Wenn du wieder arbeitest, wird es höchstwahrscheinlich so sein, dass dein Kind oder deine Kinder durch wen anderes als dich betreut werden – sei es durch Familienmitglieder, Tagesmutter, Tagesvater oder KiTa. Und damit kommen bei vielen die (nicht rationalen) Gewissensbisse: wie lange sollte ich mein Kind überhaupt in der Betreuung lassen? Wird es woanders Mittagsschlaf machen? Was ist, wenn es noch nicht richtig essen mag, vielleicht auch noch viel gestillt wird? Ist mein Kind überhaupt dazu bereit, dass es von jemand anderem betreut wird? Oder stelle ich es jetzt hinten an? Wird es mich nicht total vermissen?

Tipp:
Diese Gefühle haben sehr viele Mütter, wenn auch nicht jeder darüber spricht und viele nach Außen vermeintlich unerschütterlich klar wirken. Im Endeffekt muss es natürlich grundsätzlich ok für dich sein, dein Kind betreuen zu lassen. Wenn es das ist, dann möchte ich dir gerne ​diesen Artikel ans Herz legen, der dir helfen kann, aus dem schlechten Gewissen heraus zu kommen​.

​5. Die Frage: bin ich inhaltlich und fachlich überhaupt noch fit?

Die wenigsten befassen sich während ihrer Elternzeit ja tatsächlich mit ihrem Job bzw. mit dessen Inhalten. Und da kommt das Gefühl auf, ob man sich überhaupt noch auskennt. Das hängt sicherlich auch von der Komplexität deines Berufes ab, ob du z.B. viele Abläufe und Prozesse kennen musst oder nicht.
Diese Sorge ist halb-berechtigt. Es kann wirklich so sein, dass du dich in bestimmte Themen erst wieder reinfinden oder einlesen musst.

Tipp:
Gibt es die Möglichkeit, sich kurz mit einer netten Kollegin oder Kollegen, die sich ein bisschen Zeit dafür nehmen würden, zusammenzusetzen und auf den neuesten Stand bringen zu lassen? Meine Erfahrung – sowohl meine eigene, als auch die meiner Mamas, mit denen ich arbeite – zeigt, dass die Sorge im Vorfeld immer größer erscheint, als es dann wirklich ​kommt. Manchmal braucht es ein paar Tage. Vielleicht musst du in den ersten Tagen die ein oder andere Extraschicht einlegen, wenn die Möglichkeiten es hergeben. Gerade dafür kann es hilfreich sein, dass, wenn du deinen Arbeitsantritt hast, es gut wäre, wenn dein Partner zu Hause präsenter sein könnte. Das entlastet dich für genau solche Dinge, so dass du gut wieder im Job ankommen kannst.

Das waren ​nun die Hauptgründe, die dazu führen können, dass du neben der Vorfreude auf den Wiedereinstieg auch widersprüchliche Gefühle hast. Abschließend kann ich dir sagen: der einzige Weg durch die Angst ist durch die Angst. Es geht nicht darum, dieses Gefühl zu eliminieren. Sondern zu verstehen, woher kommt es und wie du mit diesen Themen dann umgehen kannst.

Hier gibt es Hilfestellung und Austausch:

Wenn du dich weiter dazu austauschen möchtest, ​komm’ in unsere Facebook-Gruppe.

Weitere Unterstützung:

Wenn du anderweitige Unterstützung bei deinem Wiedereinstieg, oder auch bei einem Jobwechsel, beim Orientieren oder Bewerben brauchst, dann schreibe mir gerne eine E-Mail an johanna@mumsinbusiness.de – in einem ersten kostenlosen Gespräch kannst du mir erzählen, wobei du Unterstützung brauchst und wir können überlegen, wie ich dir helfen kann.

Du hörst lieber als dass du liest?

Hier geht es zum Mütter zurück im Job-Podcast. Wenn du die Inhalte, über die ich hier auf dem Blog schreibe, lieber hören möchtest, dann kannst du das hier machen. Die Episoden dauern zwischen 15 und 30 Minuten und sind perfekt, um sie ​während des Haushalt-machens oder beim Spaziergang zu hören.

Dir wünsche ich jetzt eine schöne Woche und bis ​bald​,