Darum war mein schlimmster Job das Beste, was mir passieren konnte – 6 Erkenntnisse und was ich dadurch fürs Leben gelernt habe

​So fing alles an...

Die Geschichte meines schlimmsten Jobs begann kurz vor ​meinem Abitur, als mir klar wurde, dass ich einfach keine Ahnung habe, was ich ​beruflich machen sollte.
Nicht, dass es vielen anderen in meiner Stufe damals anders ergangen wäre. Aber während sich die meisten dann doch für ein Studium oder eine Ausbildung entscheiden konnten, fühlte ich mich - leer. Ahnungslos. Orientierungslos. Verunsichert.
Keine einfache Situation, und was waren meine Eltern froh, dass der Architekt, der gerade dabei war, bei uns zu Hause einen Umbau umzusetzen, mir eine Lehrstelle zur Bauzeichnerin anbot. Meine Eltern waren froh und ich sagte zu - aus der puren Ermangelung an Alternativen. Eigentlich war es mir schon klar, während ich den Vertrag unterschrieb: das wird nichts.

Und dann war er da, der 1. August 2001.

​Das Drama nimmt seinen Lauf

Meine wirklich total netten Chefs konnten mir den Job leider auch nicht schön zaubern. Es geht nicht darum, dass der Bauzeichnerberuf per se nicht schön ist. Aber für mich eben nicht. Ich saß Tag für Tag 8 Stunden am Computer, hatte kaum Austausch mit anderen Menschen, keine Kollegen, war nie an der frischen Luft und arbeitete immer nur das ab, was mir hingelegt wurde. Die einen träumen davon, ich hasste es.

Nach ein paar Wochen hatte ich eine richtige Abneigung gegen die Arbeit aufgebaut.
Ab da habe ich an jedem einzelnen Morgen auf der Autofahrt zum Büro meine beste Freundin Jule angerufen, ihr mein Leid geklagt und mich im wahrsten Sinne des Wortes ausgeheult. Jeden. Morgen. Unfassbar, wenn ich heute daran denke, wie lange ich das ausgehalten habe.

Mein Umfeld, meine Eltern - alle haben natürlich gemerkt, wie unglücklich ich war.
Es gab auch keinerlei Zwang, dass ich diese Ausbildung hätte weiter machen müssen. Ich hätte von heute auf morgen alles hinschmeißen können. Ich wusste aber einfach nicht, was ich sonst hätte machen sollen. Und auch deshalb stieg meine Verzweiflung immer weiter, ich bin gar nicht in eine Energie gekommen, die es mir ermöglicht hätte, Alternativen ernsthaft zuzulassen.

Bis zu dem Tag, 5 1/2 Monate später, an dem ich morgens aufgewacht bin, und das Gespräch zum Ende der Probezeit kurz bevorstand. Die letzte Möglichkeit für mich, kurz und schmerzlos kündigen zu können - so habe ich das damals gesehen. Ich hab’ immer gedacht, wenn ich gehe, dann in der Probezeit. Wenn ich mich dann entschließe zu bleiben, dann ziehe ich es durch.
Und ich fragte mich: was machst du jetzt? Gehen oder bleiben?

Da habe ich dann zum ersten Mal zurück geblickt, auf die letzten fast 6 Monate. Habe ein heulendes Elend gesehen, das sich in einem Job gefangen fühlt, der ihm absolut keinen Spaß macht und das immer nur und ausschließlich fürs Wochenende lebt, um Freitags Abends in der Disco die negativen Gefühle zu kompensieren. Während der Woche schlecht gelaunt, traurig, energielos und am Wochenende das blühende Leben. Bis zum Sonntag Mittag. Dann kamen schon wieder die Gedanken an Montag.

​Die Entscheidung

Was ist denn das bitte?, hab ich damals gedacht, und dabei neidisch auf meine Mädels geblickt, die fröhlich in die Uni gingen oder zu ihren Jobs, die ihnen Spaß machten.

Und an diesem Tag habe ich eine sehr ernst gemeinte Entscheidung getroffen: Das hört jetzt auf. So geht es nicht weiter.

Mit dieser Entscheidung ist dann etwas Verrücktes passiert.
Ich habe mich von heute auf morgen freier gefühlt, nicht mehr so ausgeliefert. Ich habe plötzlich gedacht: was immer du machst, es ist deine Entscheidung. Auch dieser Job hier, das ist deine Entscheidung. Das hat niemand anderes für dich entschieden.
Damit wurde es schon leichter.

Mit diesem Gefühl hat sich plötzlich eine wahnsinnige Energie aufgetan, so dass ich endlich einen Plan entwerfen konnte:
Ich habe meinen Chefs im Probezeitgespräch ehrlich gesagt, dass das hier nicht mein Traumjob ist, aber dass ich mich committe und die Ausbildung mit gescheitem Engagement zu Ende mache. Dass ich aber die verbleibende Zeit von 2 Jahren ebenfalls dazu nutze, herauszufinden, was ich eigentlich wirklich möchte, welches Umfeld mich glücklich macht und welche Tätigkeit ich gerne jeden Tag tun würde.
Das hat sich so befreiend angefühlt.

Und ja, ich habe mich tatsächlich dazu entschlossen, die Ausbildung zu Ende zu machen. Warum? Zum einen habe ich gemerkt, dass dieser Wahnsinnsdruck, den ich während der ersten Monate gespürt hatte, nachgelassen hat mit dem Moment in dem ich entschieden habe, etwas zu verändern. Und da war es gar nicht so wichtig, dass meine Veränderung noch zwei Jahre auf sich warten lassen sollte, im Gegenteil, für mich war das sogar total passend. Ich war nie und bin auch heute nicht der Typ, der sich ins Ungewisse stürzt. Mir ist es immer wichtig, einen Plan und Struktur zu haben, und mich so gut es geht auf das Neue vorzubereiten. Und genau diese Möglichkeit habe ich in den zwei Jahren verbleibender Ausbildungszeit gesehen. Das war für mich also kein Aussitzen und Aushalten mehr, sondern die Vorbereitung auf das was danach kommt, mein Weg zum Ziel sozusagen.

Gesagt getan, ich habe Material zur Berufsorientierung angeschafft, habe mich in Studien- und Ausbildungsgänge rein gefuchst, Informationsmaterialien angefordert, mich mit Leuten ausgetauscht. Zu guter Letzt konnte ich dann vieles eingrenzen, so dass ich mir zwei Praktikumsplätze für die Zeit nach der Ausbildung gesucht habe, weil ich dieses Mal sicher gehen wollte, den Job kennen zu lernen bevor ich mich festlege. Im Anschluss habe ich dann mein Studium gestartet und bin den beruflichen Weg gegangen, den ich bewusst gewählt habe und seither einfach genieße.

Und ja, rückblickend sage ich, dass dieser Job wirklich das Beste ist, was mir passieren konnte.

Warum?

Aus dieser fiesen, wirklich schweren Zeit der ersten 6 Monate habe ich so viel mitgenommen, wofür ich unglaublich dankbar bin, und das mich in meiner Persönlichkeitsentwicklung weiter gebracht hat, wie es fast nur Krisensituationen können.

Genau genommen habe ich 6 Erkenntnisse gewonnen, von denen ich bis heute sowohl beruflich, als auch privat enorm profitiere:

​1. Entscheidung zur Veränderung bringt Erleichterung

Egal, worum es geht. Wenn du in einer fiesen Situation steckst und dich dann einmal dazu entschieden hast, etwas zu verändern, dann wird es auf der Stelle leichter. Du kommst von der Passivität in die Aktivität und Selbstverantwortung und damit entsteht unmittelbar eine Energie, in der du nach Ideen, Lösungen und Alternativen suchen kannst. Also halte keine negative Situation einfach so aus, sondern entscheide dich bewusst dazu, etwas zu ändern.

​2. Love it, change it or leave it - Deine Verantwortung

Kein anderer kann dafür sorgen, dass du zufrieden mit deinem Job, mit deinem Leben bist. Das liegt einzig und allein in deiner Verantwortung und so lange du nicht deine Einstellung oder die Situation veränderst (nach dem Motto LOVE it, LEAVE it or CHANGE it), wird sich die negative Situation auch nicht verändern.

​3. Kenne dein Warum

Sei’ dir immer darüber klar, warum und wofür du etwas tust. Denn wenn du weißt, wozu du das gerade machst, kannst du auch schwere Zeiten gut überstehen. Dir wird es viel leichter fallen, schwierige Situationen aus- und durchzuhalten, wenn du einen Sinn dahinter siehst und du ein Ziel vor Augen hast. Ich habe es hinterher sogar geschafft, meine Ausbildung als beste Absolventin aller Bauzeichner-Azubis in 2004 abzuschließen und wurde dafür von der IHK mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet. Das schreibe ich nicht um damit anzugeben, sondern um dir zu zeigen, was ein starkes WARUM bewirken kann.

​4. Viele kleine Schritte führen zum Ziel

Wenn du merkst, dass dein Job für dich nicht (mehr) passt, dann muss es gar nicht so sein, dass du sofort eine 180°-Drehung vollziehst und kündigst. Dieser Schritt fällt vielen Menschen erst einmal schwer, weil es damit schnurstracks in die Unsicherheit geht. Sobald du, wie in Punkt 1 geschrieben, die Entscheidung zur Veränderung getroffen hast, überlege dir, wohin du willst, und sei es erst in ein paar Jahren. Dann schmiede einen Plan, der viele kleine Schritte enthält, die dich deinem Ziel immer ein kleines bisschen näher bringen. Dieses Ziel vor Augen zu haben, einen Plan zu kennen, wie du dahin kommen kannst, hilft dir, in der jetzigen Situation weiter gehen zu können. Es kommt es nur darauf an loszugehen, und wenn die Schritte noch so kleinstteilig sind.

​5. Wer ehrlich und authentisch ist, bekommt Unterstützung

Versuche immer ehrlich und authentisch zu sein. Wenn du unglücklich bist, sprich’ drüber. So kann dein Umfeld dich unterstützen die Situation mit zu verändern. Ich weiß z.B. noch, dass, als ich meinen Chefs die ganzen Gründe für mein Unglücklichsein im Job erklären konnte, sie mich bei jeder Gelegenheit auf jegliche Baustellen mitgenommen haben (nach dem Motto, die Johanna, die muss mal hier raus).

​6. Das Warum ist wichtiger als die Fähigkeiten und Stärken

Warum konnte ich nicht schon vor dem Abitur diesen Prozess durchlaufen, wie ich den Job finde, der mir Spaß macht? So ganz klar weiß ich das heute auch noch nicht. Ich hatte in jedem Fall während meiner Ausbildung ein krasses Negativbeispiel, das mir aufgezeigt hat, was passiert, wenn ich mich eben NICHT kümmere. Ich glaube, dass es ​mir einfach nicht gelungen war, mein Warum zu entzünden. Es geht eben nicht nur um die Fähigkeiten, Stärken und Werte. Es geht darum, was du spüren möchtest, welche Bedürfnisse du hast und welches Leben du führen willst.

Welche Erfahrungen hast du mit Jobs gemacht, die du blöd fandest?
Was hast du daraus für dich mitnehmen können?

Schreib’ mir deine Erfahrungen in die Kommentare und lass’ mich wissen, was wir noch alles aus solchen Situationen lernen können.

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